Krimi-Tasting: 

Samstag,
05. März 2016
Hartheim

Carolin Römer liest Auszüge aus :

Das Labyrinth des Malers



 

Broschiert: 280 Seiten
Verlag: CONTE-VERLAG
Auflage: 1., Erstausgabe (1. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3956020561
ISBN-13: 978-3956020568


 


»Wenn er das Meer nicht fand, dann war er verloren, da war er sich sicher. Was würde er nicht alles tun, um hier lebend herauszukommen. […] Wieder kam Wind auf, raschelte im Gras um ihn herum und peitschte ihm die Regentropfen unbarmherzig ins Gesicht. Er schniefte. Hörte er da nicht Schritte? Ganz dicht hinter ihm? Er fuhr herum, nahm eine Bewegung wahr. Ein dürrer Kerl mit zotteligen Haaren, der scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war, lange knochige Finger, die nach ihm griffen …«


Fin O’Malley begibt sich unfreiwillig auf eine Art Pilgerreise. Der Croagh Patrick will bestiegen werden, doch die wilde irische Landschaft meint es nicht gut mit Fin. Er verläuft sich im Nebel des Septembertages und landet bei Séamus Le Brun, einem alten Maler, der allein in seinem Wohnwagen am Meer haust. Als dieser in die Luft fliegt, sieht die Polizei keinen Handlungsbedarf, doch Fins Spürsinn ist geweckt, besonders als im ausgebrannten Wrack zwei Goldmünzen gefunden werden. Der alte Sonderling hütet ein Geheimnis!
Fin begibt sich auf Schatzsuche. Und er ist nicht der einzige. Je tiefer er gräbt, desto unübersichtlicher wird der Fall. Und Fin muss feststellen, dass Kobolde auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren.

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Fin O'Malleys erste Begegnung mit dem Fisherman's Fellow.
Im Pub The Fisherman in Foley. 


"Darfs noch was sein? "
Ronan, der Wirt, blickte fragend auf sein leeres Glas. "Vielleicht einen Fisherman's Fellow?"
"Einen was?"
"Spezialität des Hauses. Ursprünglich wollten wir's Fisherman's Friend nennen, aber der Name war schon besetzt, also haben wir's Fisherman's Fellow genannt. "

"Und was genau ist ein Fisherman's Fellow? "
Ronan tat geheimnisvoll. "Altes Familienrezept."
"Na, dann her damit."
Es konnte auf keinen Fall schaden, sich mit dem Wirt gut zu stellen, Vertrauen aufzubauen. Vor allem, wenn man Informationen wollte. Und wo wechselten Informationen schneller und häufiger den Besitzer als in einem Pub?
Ronan verschwand in der Küche und kam einen Augenblick später mit einem Tonkrug wieder, aus dem es mächtig dampfte. Er tat furchtbar geheimniskrämerisch und wandte Fin den Rücken zu, damit der ja nicht sah, was er noch so alles in den Drink hineinmixte. Schließlich stellte er den Krug vor ihn auf die Theke. "Genau das Richtige für ein Wetter wie heute, wärmt und weckt die Lebensgeister. Sláinte!"
Fin betrachtete argwöhnisch seinen Fisherman's Fellow. Oberflächlich gesehen schien es sich um ein Pint heißes Bier zu handeln, dessen dünne Schaumkrone einige verräterische rote Tropfen wie Blutspritzer zierten. Was sich allerdings darunter verbarg, ließ sich nur auf einem Weg herausfinden. Vorsichtig nippte er an dem Zeug. Es war kochend heiß, hochprozentig und brannte wie die Hölle. So schnell es ging würgte er den Schluck hinunter.
"Klasse …! ", krächzte er. Zuhause würde er damit den Gartenzaun abbeizen. "Was ist da drin? " "Tja, heißes Guinness mit selbstgebranntem Whisky, eine Prise brauner Zucker, ein paar Spritzer Tabasco obendrauf", verkündete Ronan nicht ohne Stolz, "und noch so ein paar geheime Zutaten." Wahrscheinlich Sanitärreiniger oder Unkrautvertilger. Eins allerdings stimmte, das Gebräu wärmte ungemein. Für die Unversehrtheit eventuell vorhandener Lebensgeister würde er aber nicht unbedingt die Hand ins Feuer legen.